- Analysten von Carvago haben sieben Modelle identifiziert, die Markttrends trotzen und in den letzten drei Jahren an Wert gewonnen haben
- Neben Sportwagen von Porsche finden sich in der Auswahl überraschenderweise auch ein Familien-MPV oder ein ehemals übersehenes Diesel-SUV
- Haupttreiber des Preisanstiegs sind das Produktionsende beliebter Verbrennungsmotoren und die deutliche Verteuerung von Neuwagen
- Die Daten basieren auf einer Analyse des Sekundärmarktes in 14 EU-Ländern
Ein Auto kaufen, drei Jahre fahren und es dann teurer verkaufen, als es gekostet hat. Klingt das nach einer automobilen Utopie? Daten aus dem gesamteuropäischen Markt zeigen, dass ein solches Szenario bei spezifischen Modellen durchaus möglich ist. Während die meisten Autos im Moment des Kaufs zweistellige prozentuale Wertverluste erleiden, haben Analysten von Carvago sieben Modelle identifiziert, die sich dieser Regel entziehen. Und dabei handelt es sich keineswegs nur um unerschwingliche Supersportwagen.
Der Automobilmarkt hat eine turbulente Zeit hinter sich, die einige langjährige Leitsätze über Restwerte neu geschrieben hat. Die Kombination aus dem Produktionsende von Verbrennungsmotoren, strengeren Emissionsnormen und den Nachwirkungen von Lieferkettenunterbrechungen hat eine spezifische Fahrzeugkategorie geschaffen. Es handelt sich um Autos, die als Neuwagen nicht mehr erhältlich sind oder deren Nachfolger Schlüsseleigenschaften verloren haben, die von Kunden geliebt wurden.
„Die allgemeine Weisheit besagt, dass ein Auto die schlechteste Investition ist, da es nur an Wert verliert. Unsere Analyse von Millionen Inseraten in ganz Europa bestätigt jedoch, dass es Ausnahmen gibt. Dabei geht es bei Weitem nicht nur um Sammlerstücke im Wert von Hunderttausenden, die wir übrigens gar nicht in die Analyse einbezogen haben. Auch ‚gewöhnliche‘ Autos gewinnen an Wert, einfach weil sie aus dem Angebot verschwunden sind und Familien oder Fans auf dem Markt fehlen,“ erklärt Artur Schwendner, Country Manager Carvago Deutschland & Österreich.
Zum Preisanstieg bei Gebrauchtwagen trägt auch die Verteuerung von Neuwagen bei, die als preislicher Anker fungiert. Wenn ein neues Modell beim Generationswechsel teurer wird und im Showroom deutlich mehr kostet, zieht dies natürlich auch die Preise seiner gebrauchten Vorgänger nach oben. Ein drei Jahre altes Fahrzeug kann sich dann auf dem Markt ein Betrag, der dem damaligen Neupreis ähnelt. Für den Käufer ergibt dies dennoch Sinn, da es im Vergleich zur Preisliste des neuen Modells immer noch eine deutlich günstigere Alternative darstellt.
Hier sind 7 überraschende Modelle, die laut Carvago-Analyse in den letzten drei Jahren an Wert gewonnen haben:*
- Porsche 718 Cayman GT4 (Wertzuwachs: 14,3 %) Dieses Auto ist der Schwanengesang einer Ära. Ein atmosphärischer 4,0-Liter-Sechszylinder mit 310 kW (420 PS), Hochdrehzahl-Charakter und puristische Ausrichtung machen ihn zum sofortigen Klassiker. Mit dem nahenden Übergang der 718er-Reihe zum rein elektrischen Antrieb ist die Nachfrage nach diesem mechanischen Juwel sprunghaft angestiegen. Die Halter wissen genau, was sie in ihrer Garage haben, und das spiegelt sich deutlich in den Preisen für Gebrauchtwagen wider.
- Seat Alhambra 1.4 TSI (Wertzuwachs: 11,2 %) Vielleicht die größte Überraschung der Liste. Während Automobilhersteller massenhaft auf SUVs umgestiegen sind, sind klassische Großraum-Vans (MPV) praktisch ausgestorben. Der Alhambra mit dem 110 kW starken Benzinmotor bietet Raum und Variabilität, die moderne SUVs oft nicht erreichen. Familien, die beim Platzangebot keine Kompromisse eingehen wollen, haben die Preise dieser „letzten Mohikaner“ nach oben getrieben.
- Suzuki Jimny 1.5 VVT (Wertzuwachs: 6,9 %) Ein kleiner Offroader, der Opfer seines eigenen Erfolgs und der Emissionsnormen wurde. In Europa wurde er als Pkw vom Markt genommen und kehrte als homologiertes „Nutzfahrzeug“ zurück. Die viersitzigen Versionen der Baujahre 2020–2022 sind daher heiß begehrte Ware. Sein kantiges Design und die konkurrenzlose Geländegängigkeit machen ihn zum Kultobjekt, dessen Wert nicht sinkt.
- Porsche 911 Carrera S / 4S 992 (Wertzuwachs: 5,6 %) Die Generation 992 mit 450 PS bestätigt den Status des 911 als sichersten Hafen in der Welt der Sportwagen. Trotz höherer Produktionszahlen übersteigt die Nachfrage langfristig das Angebot. Zur Preisentwicklung auf dem Sekundärmarkt haben unter anderem die langen Lieferzeiten neuer Neunelfer in den letzten Jahren beigetragen.
- Ford Edge 2.0 EcoBlue Bi-Turbo (Wertzuwachs: 5,4 %) Die Preisentwicklung dieses US-SUVs ist ein perfektes Paradoxon. Als Neuwagen hatte es der Edge in Europa schwer, Händler wurden Lagerfahrzeuge oft nur mit massiven Rabatten los. Das Blatt hat sich jedoch gewendet. Nachdem Ford den Verkauf des Modells ersatzlos eingestellt hat, wurde aus dem einstigen Ladenhüter in den Augen einer bestimmten Zielgruppe ein interessanter Gebrauchtwagen, dessen Wert nun überraschend steigt.
- Jeep Wrangler 2.0 T-GDI (Wertzuwachs: 5,0 %) Eine ähnliche Geschichte wie beim Jimny. Der ikonische Wrangler mit reinem Benzinmotor wird zur Rarität, da die Marke in Europa massiv die Plug-in-Hybrid-Version 4xe forciert hat. Fans klassischer Technik, die die Komplexität von Hybriden im Gelände scheuen, sind bereit, für den Benzin-Turbomotor einen Aufpreis zu zahlen.
- Toyota Land Cruiser 2.8 D-4D (Wertzuwachs: 3,7 %) Eine Legende der Zuverlässigkeit. Die Generation J150 mit dem modernisierten 204-PS-Motor hält ihren Preis dank ihres Rufs als unzerstörbare Maschine. Zwar drückt das Erscheinen einer neuen Generation normalerweise die Preise des Vorgängers, doch beim Land Cruiser gilt: Die konservative Klientel schätzt die bewährte Technik des älteren Modells, was jeglichen Preisverfall bremst.
Obwohl der Autokauf primär keine Investment-Disziplin ist, zeigen die Daten von Carvago, dass die richtige Modellwahl Autofahrern Geld sparen oder sogar einbringen kann. Der Schlüssel ist eine detaillierte Marktkenntnis und die Fähigkeit, Trends zu erkennen, bevor sie zum Massenphänomen werden.
* Die Analyse basiert auf Daten des Sekundärmarktes in 14 europäischen Ländern, die zusammen 87 % der EU-Bevölkerung repräsentieren (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn). In den Vergleich wurden Fahrzeuge der Baujahre 2020 bis 2022 einbezogen. Wir haben die Preise dieser konkreten Modelle im ersten Quartal 2023 mit den aktuellen Preisen im vierten Quartal 2025 verglichen (Preismedian über alle 14 Märkte). Die Berechnung erfolgte unter Umrechnung lokaler Währungen in Euro zum im jeweiligen Zeitraum (Q1 2023 und Q4 2025) gültigen Wechselkurs. Modelle mit Verkaufszahlen im einstelligen Bereich pro Quartal (typischerweise Supersportwagen) wurden nicht in die Übersicht aufgenommen.